Der eine sagt: „Nie wieder Anstellung!“ Der andere kontert darauf: „Selbst und ständig!“ Der eine will nie wieder angestellt sein. Der andere denkt sich: „Wie soll ich diesen Monat bloß über die Runden kommen?“ Manch einer hat die Nase voll vom Befehlsempfängerdasein. Der andere sehnt sich geradezu nach Struktur und einem fixen Gehalt. Gibt es nur das eine Extrem, alles oder nichts, ganz oder gar nicht, oder gibt es auch etwas zwischendrin? Im heutigen Beitrag lasse ich dich an meinen Erfahrungen teilhaben: von der Anstellung in die Selbstständigkeit und einem Mix aus beidem.

Ich weiß, wie es ist, einen sicheren, gut bezahlten Job zu haben. Insgesamt 9 Jahre war ich in zwei männerdominierenden Sparten angestellt, bevor ich den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Doch auch Jahre zuvor verließ ich schon einmal den sicheren Hafen des Angestelltendaseins, als ich 2012 für ein halbes Jahr mit Sack und Pack nach Neuseeland ging. Im Nachhinein weiß ich, dass dieser Schritt Goldes wert war, um mutig den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen.

Ich weiß auch, wie es ist sein eigener Chef zu sein. Anfang 2016 gründete ich mein eigenes Business. Von Selbständigkeit hatte ich wenig Ahnung. Ich machte einfach mal. Mir war es egal 60 bis 80 Stunden pro Woche zu arbeiten, Non-Stop von Montag bis Sonntag und Mädchen für alles zu sein. Und auch, dass ich meinen Lebensstandard herunterschrauben musste. Ich nahm all das in Kauf, weil ich etwas tat, das ich liebte und das für mich von Bedeutung war.

Und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man sein eigener Chef ist und gleichzeitig von Existenzängsten heimgesucht wird, weil man nicht weiß, wie man den nächsten Monat wirtschaftlich stemmen soll. Und auch wie es ist, wenn einem alleine der Gedanke an eine Anstellung Bauchschmerzen bereitet. Ich hatte großartige Arbeit dahingehend geleistet mich gegen jegliche Art von Anstellung aufzubringen. Der Widerstand war groß. Meine Wahrnehmung war dadurch sehr eingeschränkt. Ich glaubte, dass es nur alles oder nichts gäbe. Ich erkannte keine Lösungsansätze. Auch nicht den gut-gemeinten Ratschlag meiner Schwester, als sie sagte, ich solle mir doch einen Teilzeitjob suchen, um damit meine Fixkosten abdecken zu können. Erst Monate später, als die Kacke wirklich am Dampfen war, öffnete ich mich für diese Lösung. Und zwar auf Grund der Worte der Unternehmerin Marie Forleo, die sagte, dass es völlig okay sei einen Job anzunehmen, wenn dieser dazu dient, seine Rechnungen zahlen zu können. Sie meinte, dass man dadurch nicht gescheitert sei, sondern lediglich eine Kurskorrektur vornimmt, um sein Herzensbusiness überhaupt betreiben zu können.

Erlaube dir Entscheidungen zu korrigieren

Wenn wir unser Ding nicht genauso wie geplant durchziehen, glauben wir oftmals versagt zu haben. Doch wir verändern uns. Und was damals völlig okay war, kann heute schon ganz anders sein. Obwohl ich ein extrem freiheitsliebender Mensch bin, habe ich auch ein doch sehr starkes Bedürfnis nach Sicherheit. Das fällt dir erst dann so richtig auf, wenn dieser Pfeiler mal nicht mehr da ist. Umso wichtiger war es für mich den Lebensbereich Finanzen wieder in Balance zu bringen. Und das tat ich.

Wie es ist gleichzeitig angestellt und selbständig zu sein

Meine Ablehnung gegenüber einer Anstellung war deswegen so groß, weil ich mir immer vor Augen hielt, was ich nicht wollte. Doch es geht nicht darum, was ich nicht will, sondern was ich will. Und da ich ja einen Fundus an den unterschiedlichsten Mentaltechniken im Gepäck habe, wendete ich eine davon an, um herauszufinden, wie mein „Ideal-Job“ sein müsste, damit er sich mit meinem Business vereinbaren ließe. Und so kreierte ich in meiner Vorstellung einen Job, den ich heute tatsächlich ausübe. In einem Sachverständigenbüro, welches nur 5 Autominuten von meinem Wohnort entfernt ist, arbeite ich als Assistentin der Geschäftsführung, Teilzeit, 4 Tage die Woche. Dieser Job schenkt mir nicht nur eine finanzielle Stabilität, sondern ich kann durch diese Tätigkeit, auch unternehmerisch gesehen, enorm viel dazulernen. Und ich habe vor allem ausreichend Zeit, um mich mit Freude und Hingabe meinem Herzensbusiness zu widmen. So betreibe ich nicht nur mein eigenes Business, das ich liebe, sondern habe einen Job, der mich bereichert und der mir Spaß macht.

Unternehmertum ist eine Schule, wie jede andere

Wenn man ein Unternehmen gründet, ist der Erwartungsdruck gerade im deutschsprachigen Raum sehr groß. Wenn das eigene Business nicht sofort wie am Schnürchen läuft, erntet man umgehend Kritik, ungebetene Ratschläge und Skepsis. Weder das eine, noch das andere ist wirklich erbauend – sondern im Gegenteil eher energieraubend. Dabei wird jedoch außer Acht gelassen, dass wir in unserer schulischen Laufbahn nicht gerade darauf vorbereitet werden. Uns wird ständig vorgekaut nach einem gut-bezahlten und sicheren Job zu streben, nicht aber sein eigenes Business aufzubauen. Und genauso dürfen wir uns die Zeit geben, zu lernen, wie Unternehmertum richtig funktioniert. Auch das ist eine Schule, die Zeit braucht, um Schritt für Schritt auf die nächste Ebene zu gelangen. Und das macht man am besten nicht alleine, sondern mit Gleichgesinnten an der Seite. Das können Menschen sein, die schon dort sind, wo man hinwill, Menschen, die ähnliche oder gleiche Ziele verfolgen oder eine Kombi aus beidem. Denn unterschiedliche Charaktere können in der Gemeinschaft einfach viel mehr bewegen und Synergien schaffen, an die man nicht im Traum gedacht hatte.

Das Leben verläuft meist nicht nach Plan. Wichtig ist zu erkennen, ob es an der Zeit ist eine Kurskorrektur vorzunehmen. Das geht aber nur, wenn man ehrlich zu sich selber ist. Und das tut oft weh. Habe keine Angst davor, Entscheidungen zu korrigieren und Kursänderungen vorzunehmen. Wenn du genau in dich hineinhörst, weißt du immer, was jetzt gerade zu tun ist.

Deine Bianca

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