Wir sind zufällig Schwestern, blutsverwandt und teilen dieselbe Herkunft. Sind Tür an Tür aufgewachsen. Im selben Haus. In derselben Umgebung. Und das zwei ganze Jahrzehnte. War es immer leicht? Nein. Haben wir uns in die Haare gekriegt? Ja, viele Male. Haben wir auch Dinge gesagt, die wir bereuten? Oh ja, sehr oft. Hatten wir unser Schwestern-Dasein auch mal satt? Nicht nur ein Mal. Wie sieht unsere Beziehung heute aus? Auch heute verbindet uns sprichwörtlich dasselbe Blut, doch viel mehr ein magisches Band, das für unsere Herzensbeziehung steht.

Wer kennt es nicht, die Streitereien zwischen Geschwistern im Kindes- bzw. Teenageralter: wenn sie sich gegenseitig auf die Nerven gehen, versuchen den anderen zur Weißglut zu bringen, sich gegenseitig verbale Schlagabtausche liefern, um Mamas und Papas Aufmerksamkeit buhlen, alles tun um aufzufallen, versuchen den anderen ins Unrecht zu stürzen, meckern, jammern, beleidigte Leberwurst spielen, und vieles vieles mehr. Meine Schwestern und ich schenkten uns in der Vergangenheit auch ordentlich ein. Wir waren nicht immer fein zueinander, hatten viele Streitigkeiten und Zwiste, sprachen sogar mal 1 Jahr nicht miteinander, doch heute ist unser Band stärker denn je.

Damals und heute

Damals gab es eine Zeit, wo meine Schwester alles und jeden analysierte, jedes Wort Stück für Stück zerlegte und darauf herumkaute. Dafür war sie nicht gerade beliebt und wurde daher von vielen Menschen belächelt und kritisiert – besonders auch von mir. Ich spielte ihre Worte immer wieder herunter, machte das gerade vor der Familie und meinen Freundinnen – ganz einfach um mich besser und größer zu fühlen. Heute weiß ich, dass mein Verhalten von damals keinesfalls von Größe zeigte, sondern auf ein mangelndes Selbstbewusstsein und geringem Selbstwert zurückzuführen war. Größe zeigte meine Schwester, weil sie sich traute Dinge auszusprechen, die ihrer Wahrheit entsprachen. Meine Schwester wollte einfach die Menschen und ihre Beweggründe besser verstehen, warum sie so handelten, wie sie handelten. Und das tat sie oft bei Menschen, die entgegen ihr Worte handelten, nicht lebten, was sie predigten, eben weil ihr Taten nicht kongruent mit ihren Worten waren. Heute bin ich es oft von uns zweien, die viel mehr analysiert, hinterfragt, zerlegt, gerade durch die Aus- und Weiterbildungen zum Thema Mensch und Potentialentfaltung in den letzten Jahren. Dadurch kann ich heute ihre Welt von damals besser denn je verstehen.

Dieser Ausflug in die Vergangenheit soll einfach zeigen, wie sich die Sicht auf unsere Mitmenschen, in diesem Fall auf meine Schwester, verändern kann und verändert hat, wenn wir uns verändern.

Sich selbst erkennen

Immer dann, wenn es bei meiner Schwester etwas gibt, das mich aufregt, erkenne ich, dass das auch etwas mit mir zu tun hat – sei es zB eine Eigenschaft, die mir an ihr nicht gefällt, die auch in mir schlummert oder eine Erfahrung von früher, die ich noch nicht verdaut habe und mit einer gegenwärtigen Situation wieder aufgerollt wird. Meine Schwester ist wie ein Spiegel, der mir Dinge von mir zeigt, die ich bis dato noch nicht gesehen oder angenommen habe. Diese Erkenntnis hat mir dabei geholfen, nicht immer alles persönlich zu nehmen und hat das Band zwischen uns gestärkt.

Wir dürfen so sein, wie wir sind

Es gibt nichts Leichteres einen Menschen für seine Sonnenseiten zu lieben. Doch wie sieht es aus, wenn der Schatten ans Licht kommt? Können wir einander dann auch noch so lieben und akzeptieren? Bei meiner Schwester kann ich wirklich so sein, wie ich bin. Sie liebt mich, wenn ich voller Freude, Energie und Tatendrang bin, aber auch, wenn ich traurig, lustlos, oder angepisst bin. Denn wo auch Licht ist, ist auch Schatten. Und diesen Schatten zu verleugnen oder zu unterdrücken, würde nur dazu führen, dass er umso heftiger zum Vorschein käme. Gerade in Zeiten, wo sich unser Schatten zeigt, sind wir füreinander da, hören einander zu, wenn sich der andere auskotzt, schenken einander Mitgefühl und spenden tröstende Worte, wenn der andere sie wünscht. Wir dürfen so sein, wie wir sind und das ist das größte Geschenk überhaupt.

Meine Schwester ist mein Herzensmensch

Noch nie war das Band zwischen uns so stark, wie jetzt. Heißt das, dass wir ohne jegliche Konflikte sind? Nein. Doch ich glaube, dass wir anders damit umgehen, wie so manche Geschwister. Unsere Glücksformel (sofern es eine ist): wir haben in den letzten Jahren viel darüber gelernt, wie der Mensch so tickt und können daher einander einfach besser verstehen, wollen den anderen nicht verändern, sondern akzeptieren, wie er ist. Und wir präsentieren einander immer die ungeschminkte Wahrheit, auch wenn sie weh tut. Und die ist oft sehr unangenehm….

Mir ist das Verhältnis zu meiner Schwester sehr wichtig. Denn sie ist nicht bloß meine Schwester, das hatte ich nicht in der Hand zu entscheiden. Doch ich kann sehr wohl entscheiden, wie ich die Beziehung zu meiner Schwester sehe und pflege und da gehört sie absolut zu meinen Herzensmenschen, für die ich durchs Feuer gehen würde. Ich liebe sie heiß und innig. Ich bin mit so viel Reichtum bestückt, sie an meiner Seite zu haben und einfach dankbar dafür, dass sie so ist, wie sie ist. „Schön, dass es dich gibt, liebes Sisterherz!“ 🙂

Deine Bianca – anders denken & fühlen & glücklicher sein

 

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