Kennst du Situationen, in denen du dich von gewissen Freunden immer weniger wahrgenommen fühlst? Wo es für dich den Anschein macht, dass sich diese Menschen immer weniger für dich und deine Herzensangelegenheiten interessieren? Wo du möglicherweise an einem Punkt angelangt bist, an dem du dich kaum oder gar nicht mehr von diesen Freunden verstanden fühlst? Im heutigen Beitrag möchte ich eine Erfahrung mit dir teilen, die veranschaulicht, wie sich die Realität plötzlich verändert, wenn wir uns der Angst stellen und aussprechen, was wir auf dem Herzen haben. 

Du hast Freunde, mit denen du über Gott und die Welt reden kannst. Sie sind für dich da, in Zeiten des Aufschwungs, wo alles eitle Wonne ist, aber auch in Zeiten des Abschwungs, wo nicht alles so rund läuft. Du kannst mit ihnen herumalbern, bis die Balken sich biegen, aber auch stundenlang philosophieren und über ernste Thematiken sprechen. Alles scheint eine perfekte Symphonie zu sein, bis auf einmal der Zeitpunkt kommt, wo sich etwas verändert. Am Anfang ist diese Veränderung minimal und gerade weil sie so winzig ist, glaubst du, dass es nicht der Rede wert ist, diese Sache anzusprechen. Du nimmst es hin und denkst dir, dass sich das schon legen wird. Die Zeit vergeht. Ähnliche Situationen wiederholen sich, in denen das „ungute“ Gefühl zurückkehrt. Doch jetzt lässt dich dieses Gefühl nicht mehr so kalt. Mehr und mehr Gedanken kreisen darum. Auf einmal spinnst du dir in deinem Gehirn regelrecht die unterschiedlichsten Geschichten zusammen, die immer mehr bestimmte Gefühle in dir hervorrufen. So kann es passieren, dass auf einmal die Gefühle umschlagen. Dass plötzlich aus Traurigkeit Wut wird. Dass auf einmal die Stimme in deinem Kopf immer lauter wird und sich einen gedanklichen Schlagabtausch liefert. Dass die beurteilenden und verurteilenden Gedanken in dir nichts anderes sind, als das verletzte Kind in dir, das förmlich nach Liebe und Anerkennung schreit.

Gemeinsam fühlen wir uns oft allein und einsam

Aufgrund von übertriebener Selbstbezogenheit sind wir oft von dem Gedanken beseelt, dass ausschließlich uns selber Unrecht widerfahren würde. Dabei vergessen wir, dass der Nächste oft genau das Gleiche empfindet. Wir fühlen uns einsam und verlassen und glauben, dass der Rest der Welt sich gegen uns verschworen hätte, erkennen dabei aber nicht, dass unsere Freunde oft ähnliches durchmachen. Wir sehnen uns danach, dass sie einen Schritt auf uns zugehen, sind aber genauso wenig bereit, es selber zu tun. Lieber leiden wir weiterhin allein und einsam dahin, anstelle mutig den ersten Schritt zu machen.

Die eigene Verletzlichkeit zeigen ist wahre Stärke

Vor kurzem saß ich zusammen mit meinen Freundinnen an einem Tisch. Ich zeigte Ihnen voller Stolz und Freude meine neuen Gedichte-Flyer. Sie waren total begeistert, weil es etwas ist, das ich schon seit Jahren von Herzen mache und wirklich gut kann. Da kam auch gleich das Hochzeitsgedicht zur Sprache, das ich für die eine Freundin kreierte und welches sie und ihren Mann zu Tränen rührte. Dann hielt ich einen Moment inne. Ich erkannte, wieviel Freude mir der Austausch bereitete und wie sehr ich diesen die letzten Jahre vermisste. Nun hatte ich die Wahl, zu sagen, was mich wirklich seit geraumer Zeit bedrückte, oder es sein zu lassen. Ich muss zugeben, dass ich diesen Zeitpunkt je gescheut hatte, weil ich schlicht und einfach Angst hatte, wie die Reaktion darauf sein würde. Ich nahm einen kräftigen Atemzug und legte los. Und mit jedem Wort, das ich sagte, kam es mir vor, als würde ich um zig Ballast leichter werden. Alleine das zu sagen, was ich wirklich auf der Seele hatte, brachte mir Erleichterung. Als ich fertig war, begannen beide aus ihrer Sicht zu erzählen. Ich lauschte und hörte aufmerksam zu. Danach stellten wir fest, dass wir gewisse Situationen einzig und allein aus unserer Sicht interpretierten. Ich glaubte auf Grund ihres Verhaltens, dass sie kein Interesse an den Dingen hatten, die mir wirklich etwas bedeuteten. Sie glaubten auf Grund meines Verhaltens, dass es mir unangenehm wäre darüber zu sprechen. Schlussendlich ließen wir es alle sein, auf Grund unserer eigenen Interpretationen. Nichts davon war jedoch die Realität. So passt wieder einmal der Spruch, dass wir die Welt nicht so sehen, wie sie ist, sondern wie wir sind.

Wir stellten fest, dass wir alle in unterschiedlichen Welten mit unterschiedlichen Herausforderungen lebten und das Gefühl hatten nicht genug Interesse, Wertschätzung und vor allem Verständnis zu erhalten.

Das zwanghafte Beurteilen loslassen

Wenn wir mehr davon ablassen Richter zu spielen, indem wir alles und jeden beurteilen, können wir viel mehr die Verbundenheit fördern, weil wir den anderen so sein lassen, wie er ist. Das bedeutet nicht stillschweigend dazusitzen und nichts zu sagen, wenn die Situation eine Handlung erfordert. Es bedeutet aus der richtigen Verfassung heraus eine entsprechende Handlung zu wählen. Das schaffen wir jedoch nur, wenn wir in einem Zustand der Bewusstheit sind, der einzig und allein im gegenwärtigen Moment gefunden werden kann, weil er sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft hinter uns lässt.

Die Veränderung liegt im gegenwärtigen Moment

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich im Moment der Klarheit, sprich der reinen Bewusstheit, meine Chance genutzt habe. Mutig habe ich das Wort ergriffen und das gesagt, was ich auf dem Herzen hatte. Zugleich habe ich eine Tür geöffnet, die die Veränderung einleitete. Wir haben alle Sichtweisen auf den Tisch gelegt, einander Gehör geschenkt und schlussendlich einander Verständnis entgegengebracht. Denn in Wahrheit widerstrebt unserem Herzen die Trennung voll und ganz. Es sehnt sich danach mit unseren Mitmenschen in Kontakt zu treten und aufrichtige Verbundenheit zu (er)leben.

Deine Bianca – anders denken & fühlen & glücklicher sein

 

ps.: Hier kannst du dir den Blogbeitrag auch anhören 🙂