Kennst du Situationen, die sich einfach nur beklemmend anfühlen? In denen du dich gefangen oder gar ausgeliefert fühlst? Du kannst nicht genau sagen woran es liegt. Doch was du weißt ist, dass du dich gegen das was gerade passiert einfach innerlich sträubst. Im heutigen Beitrag erzähle ich dir von einem Erlebnis, das ich vor kurzem hatte und was passierte, als ich aus dem Schlaf der Unbewusstheit erwachte und die Vergangenheit hinter mir ließ.

Auf Grund der vielen Ausbildungen und Seminare, die ich in den letzten Jahren absolviert habe, ist mir bewusst, dass wir durch unsere frühkindliche Prägung auf eine bestimmte Art und Weise konditioniert sind. Mir ist auch klar, dass unsere Gewohnheiten das Ergebnis sind, in welchen Mustern wir stets denken und fühlen. Folglich lernen wir einerseits durch konstant ausgeführte Wiederholungen. Andererseits durch Ereignisse, die uns emotional mitgenommen haben – ob wir das wollen oder nicht. Doch all das Wissen wird irrelevant, sobald wir in einen Zustand totaler Unbewusstheit verfallen. In diesem Zustand sind wir so sehr mit unseren Gedanken und Emotionen identifiziert, dass wir die aktuelle Situation mit der Brille unserer Erfahrungen wahrnehmen. So kann ein bestimmtes Ereignis für ein Dutzend von Menschen völlig in Ordnung und belanglos sein. Für die eine oder andere Person kann diese Situation jedoch mit einer stark emotionalen Reaktion behaftet sein, weil sie unbewusst an ein Ereignis von früher erinnert wird. Folglich empfindet diese Person diese Situation als genauso emotional, wie damals, als sie diese Erfahrung zum ersten Mal gemacht hatte.

Um besser veranschaulichen zu können, was ich genau mit diesen Worten meine, werde ich dir von einer meiner Erfahrungen erzählen, die ich kürzlich gemacht habe.

Die Identifikation mit unseren Gedanken und Emotionen führt zur Unbewusstheit

Vor kurzem befand ich mich in einer Situation, in der ich mich nicht gerade wohlig fühlte. Ich saß inmitten einer tollen Gruppe von Menschen – jeder einzigartig in seiner Persönlichkeit – die den Startschuss setzten, gemeinsam an ihren Träumen und Zielen zu arbeiten.

Die Veranstaltung begann und schon binnen der ersten Minuten verspürte ich ein ungutes Gefühl in meiner Magengrube. Ich nahm dieses Gefühl als innere Unruhe wahr, die sich nach und nach in meinem ganzen Körper ausbreitete. Gewisse Wörter, die die Vortragenden in den Mund nahmen, verstärkten dieses Gefühl. Meine Schultern wurden schwerer. Mein Brustkorb verengte sich. Die Luft wurde dünner. Ich fühlte mich in der Falle. Als säße ich fest. Meine Unruhe bemerkte auch meine Sitznachbarin, die mich fragte, ob es mir auch gut gehen würde. Ich antwortete ihr, dass ich mit gemischten Gefühlen dasäße.

Dann wurde mein Hirn richtig schwammig; als würde es von einer Nebelschwade eingehüllt werden; als könnte ich nicht mehr klar denken. Wie bei einem Tonband wurden immer wieder dieselben Wörter in meinem Kopf abgespielt: „Hilfe, ich will hier raus! Ich will das nicht! Was mache ich hier bloß! Was habe ich mir dabei gedacht hier anzutanzen!“ Ich fühlte mich wie ein in die Ecke gedrängtes Tier, das ums Überleben kämpfte. Für meinen Körper war diese Empfindung prinzipiell wahr, weil er grundsätzlich nicht unterscheiden kann, ob ein Ereignis real oder gedanklich stattfindet.

Mein Wechselbad aus Gefühlen signalisierte meinem Körper, dass ich mich im Kampf- und Fluchtmodus befand. Kein Wunder, dass ich mich wie benebelt fühlte, weil gerade im Überlebensmodus die Blutzufuhr verstärkt in die Extremitäten verlagert wird, damit wir (für den Fall) schnell abhauen können. Diesen Zustand, den ich so intensiv und real erlebte, fühlte sich mehr als unbehaglich an – bis ich wieder zu Bewusstsein kam.

Den Zustand der Unbewusstheit erkennen und den Widerstand loslassen

Wenn ich erst jetzt wieder das Bewusstsein erlangte, musste ich zuvor bewusstlos, oder wie man es in der Fachsprache nennt „unbewusst“ gewesen sein. Das heißt nichts anderes, dass ich in Wahrheit abwesend war, nicht da gewesen bin, in Gedanken versunken und in Emotionen verstrickt war – sprich, dass ich alles andere als präsent bzw. mit meiner Aufmerksamkeit voll im gegenwärtigen Moment war.

Wie fand ich also das Bewusstsein wieder? Ganz einfach: Durch das Erkennen der kleinen Lücke im Gedankenstrom. Und durch die Verlagerung meiner Aufmerksamkeit auf meine Atmung dehnte sich diese Lücke mehr und mehr aus. Die Stille konnte Einzug nehmen, der Lärm in meinem Kopf konnte gehen. Und diese Stille breitete sich sanft und stetig in meinem Kopf aus – wie eine berauschende Welle, jedoch in Form von Stille. Und auf einmal erkannte ich, dass ich die Wahl hatte. Ich musste nichts tun, was ich nicht wollte. Es stand mir frei zu wählen. Eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Und plötzlich wurde aus der Stille einfach nur Frieden. Als hätte ich mein selbsterrichtetes Gefängnis, in Form meiner Mauern aus einschränkenden Gedanken und Emotionen, durchbrochen und zu Fall gebracht. Ich erkannte, dass ich den inneren Widerstand losgelassen hatte.

Der Nebel zog von dannen. Die Klarheit zog ein und so auch die Sicherheit, was ich wirklich wollte und was für mich stimmig war. Ich fühlte mich stark. Entschieden. Selbstbestimmt. Als es dann darum ging eine Entscheidung zu treffen, war ich völlig bei mir. Freudig. Und in Frieden mit mir selber. Es ging nicht darum anderen zu gefallen, unbedingt dabei zu sein, um ja nichts zu verpassen, geschweige denn etwas zu beweisen. Das würde in Wahrheit nur dazu führen, dass ich mich verbiege. Sondern es ging darum, der Stimme meines Herzens zu folgen. Und es stieß einen wahren Jubelschrei aus, als ich für mich stimmte – das tat was für mich stimmig war und was ich für richtig empfand. Das empfinde ich als wahre Freiheit.

Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist, sondern wie wir sind

Im Zuge meiner Selbstreflexion habe ich erkannt, dass diese heftige emotionale Reaktion, auf mehrere Erlebnisse in der Vergangenheit zurückzuführen ist. Vor knapp 2 Jahren hatte ich ein Erlebnis, wo ich auf Grund des Gruppenzwangs etwas tat, was gar nicht für mich stimmig war. In meiner Kindheit, Jugend- bzw. Schulzeit, nötigte ich mich selbst oft zu Dingen, die ich in Wahrheit gar nicht wollte – nur um dazuzugehören, weil ich glaubte sonst ausgegrenzt zu werden. Das wiederum glaubte ich wieder auf Grund von bestimmten Ereignissen, die mir zuvor wiederfahren waren, wo ich alleine dastand, weil ich anders handelte, als die Gruppe. So löste die Veranstaltung vor kurzem eine emotionale Kettenreaktion aus, die mich in Wahrheit an die jeweiligen Situationen in der Vergangenheit erinnerte und mich emotional darin verstrickte. Denn ganz objektiv betrachtet war die Veranstaltung völlig in Ordnung. Die Referenten machten einen tollen Job. So wie es war, war es völlig gut.

Daraus resultierend ergibt sich folgendes Bild von der Welt für mich: dass die Welt nicht so ist, wie sie ist. Sondern dass sie vielmehr ein Spiegel dessen ist, welche Erfahrungen wir bislang gemacht haben. Und wenn wir erkannt haben, dass gerade die Situationen, die wir als negativ etikettieren, oft die größten Chancengeber für Veränderung sind, dann werden wir zukünftig solchen Situationen mit viel mehr Offenheit, Gelassenheit und Leichtigkeit begegnen können.

Deine Bianca – anders denken & fühlen & glücklicher sein

ps.: Hier kannst du dir den Blogbeitrag auch anhören 🙂