„Was ist, wenn mich die anderen Kinder wieder ärgern?“ „Was ist, wenn ich es nicht schaffe?“ „Wie soll ich dieses Jahr nur überstehen?“ „Ich will doch nur, dass Mama und Papa auf mich stolz sind.“ „Ich habe Angst.“ „Ich fühle mich alleine.“ „Ich gehöre nirgends dazu.“ „Alles macht keinen Sinn.“ „Die Schule ist einfach nur ein Kampf.“ „Was ist, wenn mich die anderen Kinder auslachen?“ „Was ist, wenn ich einen Fehler mache?“ „Hat man mich dann überhaupt noch wer lieb?“ „Ich bin so traurig.“ „Keiner versteht mich.“ „Niemand sieht, wie es mir wirklich geht.“ „Ich schäme mich sehr.“ „Am besten ich behalte alles für mich.“ „Ich will nicht wieder verletzt werden.“ „Das tut so weh.“

Solche Gedanken hegen oft mehr Kinder, als man denkt. So kann Schule für das eine Kind der Himmel auf Erden sein, für das andere entpuppt es sich viel mehr als die reinste Odyssee. Warum ich das so genau weiß? Weil ich in meiner Kindheit mitten drinnen in diesem Alptraum steckte. Für mich war Schule eine schwere Bürde, die mir viel Kraft und Nerven kostete. Wie oft hatte ich mir gewünscht, endlich aus diesem Traum zu erwachen, doch was übrig blieb, war die Realität, die nicht wirklicher hätte sein können. Wäre es nicht das einfachste gewesen, die Eltern um Hilfe zu bitten? Auf den ersten Anschein hin schon. Doch als Kind glaubt man oftmals, es alleine schaffen zu müssen, weil man davon überzeugt ist, dass es keinen anderen Ausweg gibt.

Dir geschehe nach deinem Glauben

Woher kommt das Ganze? Von den Glaubens- und Wertvorstellungen, die uns von den Eltern und unserem nahen Umfeld mitgegeben werden. So wurde mir schon als kleines Kind zuteil, dass das Leben ernst und schwer ist. „Heute beginnt der Ernst des Lebens.“  Das waren die ersten Sätze, gleich zu Schulbeginn, Jahr für Jahr. Und da ich diese Worte wirklich glaubte, suchte ich unbewusst nach der Bestätigung, dass diese Worte wahr sind. Geglaubt – geschehen. Das Leben präsentierte sich mir in einer Ernsthaftigkeit, die ich wohl lieber nicht geglaubt hätte. Hinzu kam noch der Glaube, dass das Leben ein Kampf sei und ich erst etwas ernten durfte, wenn ich mir zuvor den Allerwertesten abgerackert hatte. Dir geschehe eben nach deinem Glauben, das steht schon in der Bibel geschrieben.

Worte sind mächtig

Worte sind nicht einfach nur Worte. Worte, die wir glauben, wirken sich auf unser Leben aus. Gerade als Kind, nimmt man alles ungefiltert und ungeprüft in sich auf wie ein Schwamm, vor allem die Worte der eigenen Eltern, weil man sie ja liebt, ihnen glaubt und ihnen vertraut. Die Eltern lieben ihre Kinder, doch oft wissen sie nicht was sie tun bzw. sagen. Kinder bemerken es durchaus, wenn Eltern nicht das meinen, was sie sagen, weil ihre Körpersprache etwas anderes aussagt, als das Gesagte. So haben die Worte, die wir als Erwachsene wählen, einen bedeutsamen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes. Bestärkt man das Kind in seiner Überzeugung, dass es sich in der Schule schwer tut, weil man es selbst nicht anders erlebt hat, oder zeigt man ihm seine wahren Stärken auf, die wirklich zählen, damit es das eigene Potential erkennen kann. Zwei Möglichkeiten – zwei unterschiedliche Wege.

Also, wenn ein Kind über nichts klagt, heißt es noch lange nicht, dass alles in Ordnung ist. Auch wenn es Tag für Tag lernt und fleißig ist, heißt es noch lange nicht, dass es keine Hilfe benötigt. Auch wenn es gute Noten nach Hause bringt, heißt es noch lange nicht, dass es glücklich ist. Auch wenn es glücklich zu sein scheint, heißt es noch lange nicht, dass es nicht gehänselt wird. Auch wenn es hart im Nehmen ist, heißt es noch lange nicht, dass es nicht verletzlich ist. Viele Kinder haben gelernt lieber den Mund zu halten, als das auszusprechen, was sie wirklich bewegt. Sie haben gelernt ihre Gefühle zu verdrängen. Viel mehr sind sie ihren Gefühlen einfach so ausgesetzt, weil sie nicht wirklich wissen, wie man damit umgehen soll.

Wie kann man die Kinder dieser Welt unterstützen?

  • Worte mit Bedacht wählen! Worte haben eine gewaltige Power und können sowohl in die eine, wie auch in die andere Richtung wirken – sprich positiv wie auch negativ – Worte ebnen unseren Weg.
  • Nur das sagen, was man wirklich meint! Ein Kind merkt es auf Grund der Körpersprache, ob etwas ehrlich gemeint ist oder nicht.
  • Weniger sprechen, mehr zuhören! Kinder wollen angehört und verstanden werden. Dann fühlen sie sich sicher und aufgehoben.
  • Weniger Predigen, mehr vorleben! Man kann von einem Kind nicht etwas verlangen bzw. erwarten, was man es selbst nicht lebt oder einhält. Geht man als gutes Beispiel voran, lernt das Kind am meisten.
  • Nicht Vergleichen! Das Vergleichen fördert nur das Mangelgefühl des Kindes. So glaubt es nicht gut genug zu sein. Das wird auf Grund des Notensystems schon genug gefördert. Es geht die Stärken des Kindes zu sehen und den Fokus darauf zu lenken.
  • Bedingungslos Lieben! Das ist wohl der schwierigste Punkt, weil sehr viele Erwachsene nur Liebe mit Bedingung erfahren haben. Bedingungslose Liebe baut nicht auf Leistung, also wenn du das und das machst, dann wirst du geliebt. Man liebt das Kind, genauso wie es ist, ohne dass es etwas geleistet haben muss.

Die Welt braucht Kinder, die groß denken und viel träumen. Lasst uns als lebendiges Beispiel vorangehen.