Ein herzzerreißender Streit zwischen dir und deinen Geschwistern hat solch einen Hass in dir entfacht, dass der bloße Gedanke böses Blut in dir weckt? Bist du wütend auf deinen Vater, weil er etwas getan hat, was nicht verzeihlich ist? Oder bringt dich bereits ein falsches Wort deiner Mutter innerlich zum Kochen? Fühlst du dich weder von Mutter, Vater, noch deinen Geschwistern verstanden? Nachgeben, entschuldigen, verzeihen stehen nicht zur Debatte? Doch was wäre, wenn weder deine Eltern, deine Kinder, deine Geschwister dich deiner Glückseligkeit oder Freiheit berauben, sondern allein du selbst?

Wer strebt nicht nach einer harmonischen Familie, wo man geliebt und wertgeschätzt wird? Prinzipiell jeder Mensch, da wir Herdentiere sind und nach unserem Platz in der Gruppe dürsten. Denn ausgestoßen will keiner werden. Doch selbst in der glücklichsten Familie gibt es auch mal Zeiten, wo der Haussegen schief hängt. Auch da wird oftmals gezankt und gestritten bis die Balken sich biegen. Und das ist auch völlig in Ordnung, da jeder Mensch einzigartig ist und seine besonderen Eigenheiten hat. Bedenklich wird es dann, wenn gar keine Gefühlsregung mehr gezeigt wird. Denn wo Wut oder Hass ist, ist immerhin noch Liebe vorhanden.

Wie kann es nun sein, dass wir uns selbst unseres Glückes berauben? Wenn wir glauben, dass der andere Schuld an der Misere sei und er sich zu entschuldigen hätte und so weiter und sofort. Denn es ist ein leichtes die Schuld in anderen zu suchen, anstelle im eigenen Dreck zu wühlen. Gerade in Familien sind die Fronten oftmals so verhärtet, dass ein bloßer Funke ein ganzes Inferno entfachen kann. Nicht zu selten bekommt man dann zu hören, dass es in der Familie ständig Stunk gibt, es zu Familien- und Erbschaftsstreiten kommt und zu guter Letzt der Kontakt komplett abgebrochen wird. Und das ist leider kein Einzelfall.

SELBST DEN ERSTEN SCHRITT MACHEN

Wenn wir glücklich sein wollen, dann ist der Friede mit den Eltern, Kindern, Geschwistern, etc. unumgänglich. Wir tun weniger unseren Familienmitgliedern einen Gefallen, sondern vielmehr uns selbst. Auch ich hatte eine Zeit, wo ich mich von meinem Vater nicht gehört und verstanden fühlte. Jedes Wort legte ich auf die Waagschale und führte zu unruhigen Emotionen, die mich körperlich sehr aufwühlten und meine Energiereserven anzapften. Es baute sich eine unsichtbare Mauer auf, die nach und nach Distanz schaffte. Durch das ständige Kopfzermartern kam ich keinen Millimeter vorwärts – ganz im Gegenteil, ich machte immer mehr einen Rückschritt. Ich suchte ständig die Schuld bei ihm und so drehte ich mich immerzu im Kreis. Bis ich eines Tages dieses Thema in einer Session behandelte. Doch das Magische passierte danach, als ich mich dazu entschloss mich bei meinem Vater zu entschuldigen. Und was da passierte rührt mich heute noch zu Tränen. Ich saß da, schaute meinem Vater in die Augen und bevor ich ein Wort sagen konnte, fing ich an zu weinen. Ich konnte nichts dagegen tun, es passierte einfach so. Er fragte mich ganz aufgebracht was los sei. Schluchzend stammelte ich folgende Wörter heraus: „Es tut mir leid, dass ich dich nicht verstanden habe, dass ich dir nicht zugehört habe, dass ich dich nicht so sein lassen hab, wie du bist….“ Das hatte gesessen. Damit hatte mein Papa nicht gerechnet. Er saß da und war sichtlich tief berührt. Wir gingen aufeinander zu und umarmten uns. Auch das Wasserwerk meines Papas ging an und Tränen kullerten seine Wangen hinab. Und dann begann er einfach so zu reden, was ihn bewegte, was ihn beschäftigte, was ihn sorgte und ich hörte einfach nur so zu. Zwei Jahre hatte ich mir gewünscht, dass er sich öffnete und nun tat er es. Da saßen nun zwei Menschen, die sich gegenseitig Mitgefühl schenkten. Was für ein magischer Moment.

BEFREIUNG STATT ENTZWEIUNG

Durch den Akt des Entschuldigens habe ich mich selbst von den Ketten der Vergangenheit befreit. Und zudem hat es das Band zwischen mir und meinem Vater wieder gestärkt. Ich konnte von da an wieder offen und ehrlich mit ihm kommunizieren – was für eine Freiheit. Entschuldigung oder Eingeständnis hat somit keinesfalls etwas mit Schwäche zu tun. Es zeigt von Größe und Stärke und hilft uns von der Vergangenheit loszulassen, um wieder mit erhobenen Hauptes in Richtung Zukunft zu gehen. Es fängt bei uns selbst an, wenn wir in uns gehen und uns für den Frieden mit unserer Familie entscheiden.

Also, wo in deinem Leben ist es vielleicht jetzt an der Zeit Frieden zu schließen, um neue Wege gehen zu können? Ich möchte dich dazu ermutigen genau hinzuschauen, ehrlich zu dir selbst zu sein und in Aktion zu treten. Heute ist der beste Tag zur Befreiung. Du wirst es erst wissen, was es mit dir und deinem Umfeld macht, wenn du über deinen Schatten springst und es einfach tust. Ich weiß, dass du es kannst. Dort wo die größte Angst ist, ist das größte Potential zu wachsen. Denn Happiness ist eine Entscheidung. Und alles fängt mit einer kleinen Entscheidung an.